YTread Logo
YTread Logo

Lützerath geräumt: Was hat der Protest gebracht? | STRG_F

Lützerath geräumt: Was hat der Protest gebracht? | STRG_F
Da kommt grad noch eine Hundertschaft von der Seite, von da kommen welche. Leute, verdammte Scheiße! Wir waren sechs Tage in Lü

tzerath

. Am Rande dieses gigantischen Baggerlochs. Brauchen wir die Kohle unter Lü

tzerath

überhaupt? Der Abbau ist politisch beschlossen. Was bringt dann dieser Protest? (Sphärische Musik) So, da müssen wir hin. Ja. (off:) Und es fängt schon skurril an. Mein Kollege Sebastian und ich parken das Auto und nehmen den Polizeishuttle, um ins Protestcamp zu kommen. Die Straße ist gesperrt, weil da Arbeiten stattfinden. Es stimmt schon, dass wir zu Fuß eine Dreiviertelstunde bräuchten.
l tzerath ger umt was hat der protest gebracht strg f
Ich glaube nicht, dass Sie damit auskommen, wenn ich ehrlich bin. Echt? Oha! (off:) Dieses Gebiet ist mittlerweile RWE-Betriebsgelände. Die Zufahrt nach Lützerath ist für private Fahrzeuge und auch für uns gesperrt. (on:) Bis nachher. Die Alternative wäre, dass sie sagen: Pech, lauft halt her. Dann würden sich auch alle beschweren. Darum ist es ganz korrekt, dass sie uns hierhinfahren. Aber ich glaub, wir müssen zusehen, dass wir uns mit keiner Partei gemeinmachen. Wir werden mit der Polizei geshuttelt, wir werden bei den Aktivisten vielleicht essen oder trinken. Ja. - Let's go. Auch Boden und Grund in Lützerath gehören heute RWE.
l tzerath ger umt was hat der protest gebracht strg f

More Interesting Facts About,

l tzerath ger umt was hat der protest gebracht strg f...

Lützerath, das sind nur ein paar Höfe. (Lockere Musik) "Ab hier nur Menschen mit Gewissen", bitte draußen bleiben, Sebastian. Ach so, ich glaub, ich darf auch nicht rein. (off:) Die ursprünglichen Bewohnerinnen sind längt weggezogen. Jetzt steht hier ein Protestcamp. Ihr Protest wird in ein paar Tagen als Hausfriedensbruch gelten. (on:) Magst du nicht filmen, bitte? - Ach so. (off:) Deswegen laufen viele nur vermummt durchs Camp, jetzt, wo so viele Kameras da sind. Nur wenige sprechen offen mit der Presse. Indigo zum Beispiel, das ist nicht ihr echter Name. Als du vor zweieinhalb Jahren hierhingekommen bist, warst du mit eine der Ersten, die hierhergekommen sind.
l tzerath ger umt was hat der protest gebracht strg f
Genau, es hat damit angefangen, dass RWE die L 277, die Landstraße, angefangen hat, abzureißen. Das war vor allem für die Leute in den Dörfern die rote Linie, weil klar war, wenn das abgerissen wird, dann stehen die Bagger direkt vor Lützerath, Seitdem hat sich das Aktionsbündnis "Lützerath bleibt" eine eigene Infrastruktur aufgebaut. Indigo erzählt mir, es gibt Räume, in denen sich Arbeitsgruppen treffen, eine Pressehütte und auch die Küche für alle, in der aus Spenden gekocht wird. Da sieht man zum Beispiel unsere Solaranlage. Das find ich auch ein richtig cooles Beispiel.
l tzerath ger umt was hat der protest gebracht strg f
Wir organisieren uns kollektiv, was wir brauchen, weil RWE uns hier den Strom abgestellt hat, das war natürlich richtig scheiße, weil wir hier nicht völlig abgeschottet leben wollen, sondern unsere Computer brauchen, Handys und so weiter. Genau, dann kam Greenpeace und hat uns diese fette Solaranlage gebaut. Dann hatten wir wieder genug Strom für das, was wir brauchen. Was ist so dein Wunsch für die nächsten Tage und Wochen und so darüber hinaus? Mein Wunsch für die nächsten Tage und Woche ist, dass wir natürlich es schaffen, erfolgreich Lützerath zu verteidigen.
Also dass wir einfach so viele sind, dass dieser Einsatz abgebrochen werden muss. Und dadurch dafür gesorgt wird, dass die 280 Millionen Tonnen Kohle unter und hinter Lützerath im Boden bleiben. Genau, und wir's dadurch, ja, ein bisschen unwahrscheinlicher machen, dass wir klimatische Kipppunkte erreichen. (off:) Dass Lützerath geräumt wird, ist politisch entschieden und gerichtlich bestätigt. Die Frage ist eigentlich nur noch, wann es passiert. RWE bereitet die Räumung vor, die Polizei steht bereit, die Aktivist:innen sowieso. (Mann:) What do we want? - (alle:) Climate justice. (Mann:) When do we want it? - (alle:) Now!
Der Ort hat sich über Nacht schon wieder verändert. Neue Barrikaden, hier war ja gestern noch alles offen. Man sieht, die schütten noch fleißig Steine auf und verstärken das Ganze. Der Weg hier war aber gestern auch noch nicht so krass geebnet, das war alles noch mehr random. Und jetzt merk man, die wollen das jetzt alle schön glatt machen, damit die bald vorfahren können. Also, die Lage spitzt sich zu, alles formiert sich ein bisschen mehr, das spürt man schon sehr deutlich, ja. (off:) Den Aktivist:innen geht es auch darum, es der Polizei so schwer wie möglich zu machen.
Alles wird zu Barrikaden verbaut. Und in ein paar Tagen werden wir diese Steine fliegen sehen. Seit fast 40 Jahren wird in Garzweiler Kohle abgebaggert. 17 Ortschaften mussten seitdem weichen. (Archiv:) 15 Millionen Tonnen Braun- kohle sollen in diesem Großtagebau jährlich gefördert werden. Ein sicherer Beitrag zur Energieversorgung der Bundesrepublik. Gut 20 Jahre wird Bagger 261 noch arbeiten, 100.000 Kubikmeter fördern, jeden Tag. Glück auf, Bagger 261 und seiner Mannschaft. (Treibende Musik) Während Lia und Sebastian vor Ort sind, recherchiere ich hier im Archiv. Das sieht so krass aus! Und wie das auch so abgefeiert wird einfach. Man hat halt noch gar nicht sich über die Umwelt Gedanken gemacht.
Inzwischen will auch die Politik schneller aus der Kohle aussteigen. Vor ein paar Monaten wurde der vorgezogene Kohleausstieg 2030 im Rheinischen Revier beschlossen. Ein Deal zwischen NRW, Bund und RWE. Jetzt kann nur noch die Hälfte der Kohle, die sich dort befindet, abgebaggert werden. Das sind 280 Millionen Tonnen. (off:) Weitere 280 Millionen Tonnen Braunkohle sollen im Boden bleiben. Einige Gemeinden konnten dadurch gerettet werden, der Ort Lützerath allerdings nicht. Wir wollen in einen der Orte, die verschont geblieben sind. Unser Taxifahrer stammt aus der Region. Lützerath beschäftigt auch ihn. (on:) Was halten Sie so davon? Tja, was halte ich davon?
Ist eine Schande. Man hat sein Leben lang hier gelebt und auf einmal wird alles einem weggenommen. Das ist nicht normal, oder? (off:) Dieses Dorf, Keyenberg, darf bleiben. Aber die meisten Bewohner:innen sind weg. Das ist ja echt 'n Ding. Wenn man hier so durchfährt und nicht weiß, was los ist, denkt man, die sind halt grad alle unterwegs. (off:) Dass der Ort bewahrt wird, ist erst seit ein paar Monaten klar. Nachdem 2016 die Umsiedlungen begannen, sind die meisten Menschen weggezogen. Von den ursprünglich 840 Einwohner:innen sind nur noch 150 da. Klingel funktioniert auch nicht mehr, also Strom ist aus.
Hier wohnt niemand. Hey! Wer seid ihr? Echt? Mosino und Thomas sind zwei der Letzten hier. Thomas kommt grade aus seiner Kfz-Werkstatt. Er schaut mit 'nem anderen Blick auf die Proteste. Ich find das okay. Aber dem Bauer das Feld platt zu treten, den ganzen Müll, den die hinterlassen haben, das ist widersprüchlich, ergibt keinen Sinn. Ich denk mir, wenn RWE das macht, was willst du da noch machen? Die sind alle schon weg, was willst du noch retten? Da muss sich was ändern irgendwie. Zurück in Lützerath. Wir wollen für diesen Film auch den Polizeisprecher interviewen.
Letztendlich kommt kein offizieller Termin zustande. Die Beamten, mit denen wir im Hintergrund sprechen, äußern Verständnis für die Klima

protest

e. Und die offizielle Devise lautet: Deeskalation. So etwas wie Hambach dürfe sich nicht wiederholen. Es geht denn Leuten hier darum, die Räumung so schwer wie möglich zu machen. Und besonders schwer zu räumen sind: Baumhäuser. Das ist Spatz. Sie lebt seit letztem Sommer in ungefähr acht Metern Höhe. (Lockere Musik) Sebastian klettert vor. Ja. Hättest erst in zwei Stunden mit mir gerechnet. Ja! Wie oft macht ihr das? Wie oft geht ihr da so hoch und runter?
So bestimmt fünfmal hin und her. Ist halt auch ein Problem, das wir irgendwie lösen müssen: Toilette. Dann gehen wir rein. - Oh, krass! Ja, willkommen. Krass, das ist ja voll die eingerichtete, schöne Butze. Sie sind hier auf alles vorbereitet. Mindestens mit acht Leuten wollen sie bei der Räumung hier ausharren. Mit dem, was ihr zusammengetragen habt, wie lange würdet ihr durchhalten? Wir würden auf jeden Fall ziemlich lange durchhalten. Die Polizei ist von einer Sechs-Wochen-Räumung ausgegangen. Wir haben mal so vier draus gemacht. Sehr unwahrscheinlich, dass das Baumhaus die letzten Struktur ist, die geräumt wird.
Aber man weiß es eben nicht, man weiß nicht, was passiert. Das Schlimmste wäre, hier oben zu sitzen und wir haben kein Essen mehr oder kein Wasser, dann ist auch vorbei. Darum haben wir uns lieber dicker eingedeckt an Lebensmitteln. (off:) Das Spatz all diese Vorräte gar nicht brauchen wird, ahnt sie noch nicht. Und der Ausblick zeigt dir immer wieder, warum du hier bist, oder? Ja, das ist irgendwie schon krass, wenn man morgens aufwacht und sich dieses Riesenloch vor einem auftut, das ist schon heftig auf jeden Fall. Das macht einen immer so klar: ich bin nicht auf so einem Superferienlager und campe in meinem tollen Baumhaus, sondern das hier ist ein echter Kampf, das hat auch echt eine Schwere, die es immer wieder gibt.
Hier sind einfach Leute, die sagen: Okay, wählen reicht nicht. Wir müssen mehr machen. Eine Demo ist schön und gut, es ist voll legitim, auf Demos zu gehen, aber irgendwann bringen Demos nichts. Ab einen gewissen Punkt muss man sich der Zerstörung in den Weg stellen. Deswegen bin ich, glaub ich, hier. Das macht mir dieses Loch jeden Tag noch mal deutlich so. ♪ Ich kann nicht glauben, dass wir nichts unternehmen. ♪ Nur diskutieren, während die Welt untergeht. An der legal angemeldeten Mahnwache gibt's Kaffee. Hier treffen wir Uvo. Trinkst du deinen Kaffee schwarz mit Zucker?
Ja. Cool. Schon immer. - Ja? Seit wann trinkst du denn Kaffee. Schon immer. - Schon immer, ja. Seit zwei Jahren ungefähr. - Ja? Davor hab ich eher Tee getrunken, Schwarztee immer. (off:) Der Grund, warum sie alle hier seien: die Klimakrise. Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Die Erinnerung an die 1,5 Grad Grenze als Teil eines globalen Abkommens. Mic check, es ist grad eine Kamera vor Ort. Menschen, die nicht gefilmt werden wollen, können sich vermummen, danke! Ihr plant nicht, in die Politik zu gehen und da eure Forderungen umzusetzen, richtig? Warum sollten wir zu den Parteien gehen, versuchen, dort was anzubringen, wenn die nicht auf uns hören, wenn die auf die RWE und auf die fossile Lobby hören.
Wir müssen es uns selber organisieren und es in die Hand nehmen. Wir müssen versuchen, Klimagerechtigkeit auf die Karte zu bringen. Klimagerechtigkeit zu erkämpfen so. Sonst fahren wir in zehn, 15 Jahren an die Wand, wenn das keine Menschen tun, wenn keine Menschen diese Industrie und diesen fossilen Kapitalismus stoppen wollen. Sonst fahren die wirklich an die Wand. (Langsame Musik) Der Konflikt wird nicht nur hier am Rande des Baggerlochs ausgetragen. Es ist auch ein Streit auf Papier. Und hier geht's auch um die Frage: Brauchen wir die Kohle unter Lützerath? Brauchen wir sie angesichts von Putins Krieg und den Gasstopp?
Bund und Land sagen: Ja. (Lockere Musik) Verschiedene Studien kommen zu verschiedenen Ergebnissen. Es gibt eine Studie vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, die kommt zum Ergebnis: Nein,wir brauchen sie nicht. Claudia Kempfer hat daran mitge- arbeitet, mit der sprech ich jetzt. (off:) Claudia Kemfert ist Wirtschaftswissenschaftlerin und kritisiert den Deal der Landesregierung mit RWE scharf. Uns interessiert am meisten die Frage: Wird die Kohle unter Lützerath wirklich gebraucht oder nicht? Unserer Studie nach, aber auch andere Studien zeigen, dass die Kohle unter Lützerath nicht benötigt wird. Einerseits energiepolitisch, auch trotz der Energiekrise, und auch wenn Kohlekraftwerke stärker ausgelastet werden, wird die Kohle dennoch nicht gebraucht.
Wir haben im existierenden Tagebau andere Möglichkeiten oder dort existiert ausreichend Kohle, die man dafür nutzen kann. Die Versorgungssicherheit ist auf jeden Fall gewährleistet. Dann gibt es Gutachten, die kommen zu anderen Erkenntnissen. Was ist denn nun richtig? Es gibt ein Gutachten der Landesregierung. Welches zu anderen Erkenntnissen kommt als alle anderen Gutachten. Dass Kohle gebraucht wird, oder die Kohle unter Lützerath gebraucht wird, dort rechnet man mit sehr hohen Annahmen für die Kohleverstromung. Und auch mit hohen Annahmen für die Kohleveredelung, beides halten wir für zu hoch. Und klimapolitisch ist es nicht zu rechtfertigen, weil wir damit die Klimaziele reißen. (off:) Die Annahmen der Studien von DEW und Landesregierung sind tatsächlich sehr unterschiedlich.
Die Studie der Landesregierung geht davon aus, dass wir bis 2030 aus den bestehenden Braunkohlerevieren, also Hambach und Garzweiler II, 280 Millionen Tonnen gewinnen können. Ohne Lützerath. Benötigt würden aber rund 297 Millionen Tonnen Braunkohle. Deswegen müsse Lützerath erschlossen werden. Frau Kemfert vom DEW rechnet hingegen damit, dass wir nur 271 Tonnen benötigen. Dann bräuchte man die Kohle unter Lützerath gar nicht. Noch krasser: Sie und ihre Kolleg:innen haben errechnet, dass auch ohne Lützerath sogar noch 300 Millionen Tonnen verfügbar sind. Und was finden Sie, was sollte man tun? Die Räumung abbrechen und damit auch ... diese Einigung mit RWE brechen?
Wir halten es für sehr sinnvoll, dass man noch mal inne kehrt und nach Möglichkeit mit allen Beteiligten an den Verhandlungstisch noch mal zurückkehrt. Ein Moratorium wäre sinnvoll an dieser Stelle. (Off:) Ein Aufschub also, das fordern in einem offenen Brief auch mehrere 100 Wissenschaftler:innen. Sie empfehlen ein Moratorium - neue Verhandlungen. Wir können den wissenschaftlichen Streit nicht bis ins Letzte bewerten. Aber wir können die bestehenden Zweifel noch mal mit den politischen Entscheidern diskutieren. Die grüne Klimaschutzministerin NRWs betont zuletzt wieder: "Es braucht die Kohle." Für uns hat sie leider keine Zeit.
Aber jemand anderes aus der Regierung hat einem Interview zugestimmt. Wir sind hier in Düsseldorf jetzt mit Innenminister Herbert Reul von der CDU verabredet. Er hat den Polizeieinsatz in Lützerath zu verantworten, hat aber grade nur zehn Minuten Zeit für uns, deswegen ... let's go! - Okay. Wollen Sie hier oder da? - Erst mal moin! Moin! - Kim Eckert. Das brauchen wir nicht, aber hab ich sicherheitshalber oben gelassen. Zuletzt haben mehrere 100 Wissenschaftler:innen in einem offenen Brief, der auch an Sie adressiert ist, Herr Reul, angesichts neuer Berechnungen einen Stopp der Räumung gefordert. Ein sogenanntes Moratorium.
Ein Aufschub. Ist das aus Ihrer Sicht denkbar? Nein. Außerdem könnte ich das gar nicht entscheiden. Weil es gehört RWE und RWE entscheidet. Das seh ich überhaupt nicht, denn die Gerichte haben entschieden, dass das in Ordnung ist. Warum ist das so schwer, einen einmal beschlossenen Kurs zu korrigieren? Das ist gar nicht schwer. Denn wie Sie feststellen, ist der Kurs der Kohlepolitik in Nordrhein-Westfalen korrigiert worden. Wir wollten 2038 aufhören, zu baggern. Jetzt wird 2030, acht Jahre früher aufgehört. Wir wollten fünf Dörfer abbaggern, die bleiben jetzt stehen. Wir wollten den Hambacher Forst abbaggern lassen, das bleibt auch stehen.
Also die Politik hat sich total geändert. Eine einzige Sache ist nicht geändert worden, das ist der kleine Fleck in Lützerath. Und da behaupten jetzt einige wenige, das würde die ganze Welt retten. (off:) Reul sagt, Lützerath sei ein reines Symbol. Auch das Wirtschaftsministerium NRW sieht keine rechtliche Grundlage für ein Moratorium. Und auch RWE schreibt uns, das Thema sei entschieden. (Spannungsvolle Musik) (off:) Zehnter Januar, mittlerweile steht die Polizei hier bis zum Horizont. Aus 14 Bundesländern wurden Einsatzkräfte angefordert. (Unruhige Musik) Die ersten Barrikaden werden zur Seite geräumt. Und auf der Werksstraße, über die Später Abrissfahrzeuge rollen sollen, Sitzblockaden.
Ich mach's für die Kinder, die Jugendlichen, für ... die Leute, die keine Zukunft mehr haben. Ich finde, es ist wichtig, nicht nur die Kinder zu erwähnen und die Zukunft, sondern auch die Menschen, die schon jetzt und seit Jahrzehnten im globalen Süden vor allem betroffen sind von den Auswirkungen der Klimakrise. (off:) Die Bagger warten nicht. "Wenn Sie diesen Bereich nicht verlassen, ist die Polizei gezwungen, den Weg zu räumen." Wir werden aber hierbleiben, wir verteidigen jeden Zentimeter von Lützerath und der Kohle darunter. Die Kohle muss im Boden bleiben! (off:) Doch die Polizei greift jetzt durch.
Und drängt die Aktivist:innen von der Zufahrtsstrafe zurück. (Geschrei) Wir versuchen, uns mit unseren Körpern dagegenzustellen. Und möglichst viel dagegen zu geben. Aber grade ... sind, glaub ich, auch schon superviele erschöpft, weil's anstrengend ist. (Geschrei) (off:) Und wer im Weg steht, wird entfernt. Um die Lage zumindest ein bisschen zu entschärfen, ist ein Kommunikationsteam der Polizei vor Ort. Also alle Kräfte, die hier eingesetzt sind, haben das natürlich gelernt, und die sind alle in der Lage deeskalativ vorzugehen und sich die Zeit zu nehmen, die sie brauchen, um die Lage nicht hochzukochen.
Wir kommen jetzt dazu und werden nach Bauchgefühl gucken, wo können wir vielleicht noch was deeskalieren, wo macht Kommunikation noch Sinn? Wo sind vielleicht Seiten emotional, weil die in Bedrängnis geraten? Wo sind Ängste, die wir versuchen können, rauszunehmen. (Geschrei) (Schreie) (Schreie) Hey, hier liegen Leute am Boden! (Sprechgesang) (off:) Am Abend wird es ruhiger, doch die Anspannung bleibt. Seit gestern übernachten wir auch im Camp, es könnte jederzeit losgehen. Und wir wissen nicht, ob der Zugang für die Presse dann frei sein wird. Elfter Januar, 7.30 Uhr. Wir wurden von Sirenen und Geschrei geweckt. Ich zähle allein auf der Straße Richtung Camp 26 Polizeieinsatzfahrzeuge.
Und es werden immer mehr. Ich höre auf, zu zählen. Ich hab mir grade die Ausrüstung der Polizei angeguckt, und heute ist voll viel Kabelbinder irgendwie an der Uniform befestigt. Vielleicht werden heute tatsächlich Leute auch mitgenommen. Und grade erkundigen sich alle nach Tränengas und so. Und eine Aktivistin oben auf dem Wall sagt auch gerade, irgendwie sehen die heute anders und mehr ausgerüstet aus als gestern. (off:) Und jetzt wird klar, die Räumung geht tatsächlich los. Wir müssen aufpassen mit den Steinen. - Die fliegen nämlich jetzt. Andererseits ... also einzelne Leute schmeißen Steine, andere sagen, keine Steine.
Die Person schmeißt aber Steine. (Geschrei) Hey! - Sie kommen. (off:) Und wir geraten mitten rein. (Geschrei) Bitte! Leute, verdammte Scheiße! (off:) Um uns fliegen Pyrotechnik, Flaschen. (Klirren) Helft mal! (Schreie) (off:) Innerhalb weniger Minuten ist die Polizei im Camp. (Schreie) Sebastian und ich verlieren uns aus den Augen. (Schreie) Zurück! Hier! - Ah, o mein Gott, da bist du! Heftig, ey, heftig. Ich hab Angst bisschen und du? - Wie ging's bei dir? Keine Ahnung. Guck mal, da kommen noch welche von der Seite und da. Das geht viel schneller, als ich dachte, ich dachte, die kommen hier nicht so schnell rein. (off:) Die Wenigsten hier haben Steine geworfen.
Viele haben sich wegtragen lassen und ein Teil der Leute zieht sich jetzt zurück. Wir sind nicht die einzigen Journalist:innen, die von hier aus die Lage dokumentieren. (Geschrei) Man hört hier die ganze Zeit ... Böller und Feuerwerk und die Polizei, die mit "Wuwuwu"-Rufen angestürmt kommt. Man merkt langsam so ... ja ... Zone für Zone nehmen die hier Gebäude Fläche für Fläche ein. Und das ist jetzt nur Sache von ... Stunden, nicht Stunden, von Minuten, da haben die hier, sag ich mal, auf der Fläche, am Boden alles gesichert.
Und dann sind eigentlich nur noch die Baumhäuser und Gebäude besetzt. Zumindest mein Eindruck von hier oben. (Zischen einer Rakete, Schreie) (off:) Indigo ist auch hier, Verschnaufpause und erst mal frühstücken. Einmal ein Brötchen durchgeben. Bin überrascht, dass es dann irgendwann so ... relativ abrupt zum Stillstand quasi kam. Also die sind nicht weiter vorgerückt, die stehen da jetzt halt seit sie vorhin hergekommen sind. Und wir stehen auch hier. Und die Pressearbeit der Aktivist:innen geht weiter. Indigo gibt Interviews und streamt die Räumung live auf Twitter. da sind grad die Bullen in den Hinterhof reingegangen.
Und hier vorne bleibt aber die Besetzung stabil. (off:) Wer jetzt nicht auf Dächern oder Bäumen sitzt, wurde geräumt. Die Polizei lässt niemanden mehr rein. (Angespannte, traurige Streichmusik) (Angespannte, traurige Streichmusik) (off:) Wir verlassen Lützerath. Und werden die nächsten Tage der Räumung aus dem Büro verfolgen. (Unruhige Musik) Wir lesen, dass Demonstrierende in den Tagebau eindringen. Dass vor allem zwei Menschen in unterirdischen Tunneln die Räumung verzögern. Doch am Ende geht die Räumung weiter. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Gewalt vor. Achtung, hier ein eindrücklicher Zusammenschnitt. (Schreie) (Schreie) Die Polizei verteidigt grundsätzlich ihren Einsatz.
Innenminister Reul sagt aber, man werde untersuchen, ob es in einzelnen Fällen Fehlverhalten gegeben habe. Indigos Räumung konnten wir im Livestream verfolgen. Sie wurde von der Polizei recht schnell von einem Baum geholt. "Und das macht mir ganz schön Angst." Wir haben uns noch mal zum Facetimen verabredet, und ich ruf sie jetzt mal an. (off:) Sie ist jetzt mit vielen anderen in einem Ausweichcamp in Keyenberg. Hallo ... "Hallo!" - Hörst und siehst du mich? Wie geht's dir mit dieser Erfahrung? "Also ich merk schon, in dem Moment hat es sich eigentlich so ... gut angefühlt, nicht aufzugeben." "In den letzten Tagen hab ich aber schon gemerkt, dass es mir ... dass ich so ... dass es mir nicht so gut geht damit." "Und dass auch mein Körper einfach noch wehtut und so." "Genau." "Und gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich damit nicht alleine bin."
Ihr wolltet die Räumung natürlich aufhalten, und das hat jetzt ... irgendwie nicht geklappt. Ist euer Protest damit auch gescheitert? "Einerseits geht unser Protest weiter, so lange hier noch Kohle im Boden ist." "Es geht darum, die Kohle im Boden zu lassen, und die Kohle unter Lützerath wurde noch nicht abgebaggert und verfeuert." "Und gleichzeitig glaub ich, dass wir jetzt schon ... in Lützerath unglaublich viel gewonnen haben." "Auch unabhängig davon, ob dieser Ort zerstört wird oder nicht." "Weil wir da gezeigt haben, dass Klimapolitik in Deutschland genau so aussieht." "Und ich glaube, dadurch sind wir ... entschlossener geworden, wütender geworden und mehr geworden." (off:) Der Abriss ist mittlerweile weit fortgeschritten.
Lützerath ist Geschichte. Es wird kein Moratorium geben. Was denkt ihr ganz grundsätzlich über die Proteste? Findet ihr die richtig, oder sagt ihr, die sind falsch und bringen auch überhaupt nichts? Schreibt's uns gern mal in die Kommentare. Und wenn ihr noch mehr Filme sehen wollt, schaut euch gerne unsere Recherche zu den E-Autos an. Oder einen Film von "reporter" über eine 15-jährige Fridays-for-Future-Aktivistin. Und ganz wichtig: abonnieren nicht vergessen oder empfehlt uns gerne weiter.

Source : STRG_F